Berufliche Neuorientierung wagen

Menschen, die schon lange über eine berufliche Neuorientierung nachdenken, haben eins gemeinsam: Sie grübeln und grübeln und sind erstaunt, dass nichts dabei herauskommt.

Berufliche Neuorientierung ist ein komplexes Geschehen. Dazu brauchen wir nicht nur unser Hirn, sondern auch Papier und Stift (oder Tastatur). In der Regel stellen sich nämlich Widerstände, Ängste und Zweifel in den Weg: Wie geht es weiter, wenn die Veränderung nicht klappt?  Wie soll das überhaupt funktionieren? Wichtige Fragen, denn das vorsichtige Überprüfen einer Veränderung ist unverzichtbar. Wenn Menschen vor Veränderungen stehen, haben sie zwei Möglichkeiten damit umzugehen:

  • Sie können weiter grübeln und damit passiv bleiben.
  • Sie können sich dem Problem stellen und aktiv an einer Lösung arbeiten.
                                                                                      
1. Möglichkeit: weiter grübeln

Grübelei ist nicht wirklich aktiv. Um das zu verdeutlichen, möchte ich Ihnen das Passivitätskonzept der Transaktionsanalyse vorstellen. Es zeigt auf, was Menschen – allerdings sehr aktiv tun – um ein Problem nicht zu lösen. Oder in diesem Fall, nicht an einer Veränderung zu arbeiten. Passivität zeigt sich durch

  • Nichts-Tun: Alles bleibt so wie es ist – anderen geht es auch nicht besser.
  • Überanpassung: Man tut erst mal etwas für andere, sagt zu allem „ja“ und ist nicht in Kontakt mit eignen Bedürfnissen.
  • Agitation: Zielloses, ruheloses Tun: Fenster geputzt, Wohnung gewischt – aber wieder nichts getan für die Veränderung.
  • Selbstschädigendes Verhalten: Neben den direkten Formen aggressiven
    Verhaltens gehören dazu auch die vielen Ausprägungen der Autoaggres­sion wie Nägelkauen oder übermäßiger Alkoholkonsum.

So kommen Sie also nicht weiter. Diese Verhaltensweisen sind nicht zielgerichtet auf die Veränderung, sondern Zeitverschwendung.

2. Möglichkeit: aktiv an einer Lösung arbeiten

Nun kommen Papier und Bleistift ins Spiel: Finden Sie die Ursachen und Gründe, die Sie zu einer beruflichen Veränderung bewegen: je konkreter, desto besser.

Wenn Sie sich schon einmal mit Projektarbeit beschäftigt haben, wissen Sie, dass es normal ist, sich Meilensteine zu visualisieren. Warum also nicht auch für das eigene Projekt? Suchen Sie genau die Lösung, die für Sie optimal ist, denn Ihr Weg der Veränderung kann in unterschiedlichen Richtungen verlaufen:

  • Wollen Sie einen neuen Weg im eigenen Unternehmen?
  • Oder einen Wechsel des Arbeitgebers?
  • Oder den Sprung in eine andere Branche?

Schauen Sie auf Ihre Interessen, Wünsche, Träume und auf die eigene Persönlichkeit. Wenn Sie mit Ihrem bisherigen Tun nicht mehr zufrieden sind, brauchen Sie neue Ideen und Lösungen. Haben Sie Vorbilder? Gibt es jemanden, der oder die das schon macht, was Sie vorhaben? Gut. Was machen Ihre Vorbilder genau? Was können die schon, was Sie noch lernen müssen?

Aufbruch und Veränderung lösen bei den meisten Menschen innere Widerstände aus. Das ist normal. Ohne kalte Füße geht es nicht. Das muss nicht zu einem Drama führen, wenn man seine inneren Pappenheimer kennt und klug mit ihnen umgeht.

Legen Sie eine Bedenkenliste an: Bevor Sie anfangen, legen Sie sich ein Blatt bereit, auf das Sie alle Bedenken, Widerstände und Ängste aufschreiben: Sobald sich etwas in den Weg stellt, wird es aufgeschrieben – ebenso wie Zweifel, die sich melden. Prüfen Sie ob die Zweifel berechtigt sind oder Ihrer Phantasie entspringen. Oder gibt es eine Stimme im Kopf, die Ihnen weismachen will, dass Sie Ihre Idee sowieso nicht umsetzen können. Finden Sie heraus, was dahintersteckt. Im Laufe der Zeit, können Sie immer häufiger etwas von der Liste streichen.

Manchmal sind die großen Ideen nicht umsetzbar. Aber was ist mit deren „kleinen Geschwistern“? Seien Sie kreativ. Sie wollten sich selbstständig machen, mit einer eigenen Agentur? Vielleicht ist es möglich, in einer anderen Agentur zwei Stunden in der Woche zu arbeiten? Sie möchten aus Ihrem Beruf aussteigen und lieber Musikfestivals organisieren? Vielleicht können Sie in Ihrem Urlaub ein Praktikum beim Schleswig-Holstein-Musikfestival machen?

Egal was es ist, tun Sie etwas dafür. Die ersten Ideen sind noch zart und nicht krisenfest. Sie werden leider oft zerstört durch Fragen, ob sie Sinn machen, realistisch sind etc. Schützen Sie Ihre zarten Ideen und legen Sie los, probieren Sie sich in Ihrer Freizeit aus und sehen Sie was passiert.

Für Wunder muss man beten, für Veränderungen aber arbeiten.

(Thomas von Aquin)

 

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