Jetzt erst recht: Vertrauen!

2021 – ein frisches neues Jahr. Es verspricht besser zu werden als das elende 2020. 2021 wird das Jahr der Impfungen – des Lichtblicks am Ende der Masken. Endlich können wir nach dieser jämmerlichen sozialen Einöde wieder zueinanderfinden. Das wird ein Fest! Vielleicht wird es dann doch anders, möglicherweise befremdlich. Neu wird es allemal. Soziales Miteinander und gesellschaftliche Veränderungen – Neues braucht Vertrauen. Sonst klappt es nicht.

 

Raus aus dem Konflikt

Wir würden wohl früher oder später verrückt werden, wenn wir allem Neuen oder jedem fremden Menschen mit Angst, Abwehr und Misstrauen begegnen würden. Keiner von uns hat wohl den vollständigen Überblick über das Geschehen in der Gesellschaft und im Berufsleben. Insbesondere nicht in dieser Corona-Zeit. Vertrauen ist eine Grundhaltung, die wir haben oder erlernen können. Sie wird verursacht durch positives Verhalten anderer Menschen, auf die wir uns verlassen. Ob dieser Vertrauensvorschuss stimmig ist, weiß man noch nicht. Wer seine Mitarbeiter*innen im Homeoffice wusste und Remote Working unterstützt hat, ist vielen schon ein Stückchen voraus: Vertrauen in die Ehrlichkeit und die Verantwortung der Kolleg*innen musste für viele Führungskräfte hart erarbeitet und geübt werden. Es war ein Wagnis, ein Sprung. Ein Ausprobieren.

Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser?

Wenn wir vertrauen, geben wir Kontrolle ab: Wir haben keinen Einfluss auf das, was geschieht. Wir können es nur vermuten. Wir machen uns damit auch verletzlich. Ein Risiko.

Die Gegenspielerin des Vertrauens ist die Angst. Die kann sich entfalten, wenn wir nicht die volle Kontrolle über etwas haben. Wenn wir Angst spüren, sinken die Aktivitäten in bestimmten Regionen unseres Gehirns. „Sind diese Areale wenig aktiv, spüren Menschen Vertrauen,“ beschreibt es Prof. Dr. Niels Birbaumer in der Zeitschrift GEO[1], “diese alten Hirnstrukturen reagieren, wenn wir Signale empfangen, die auf eine Gefahr hindeuten“. So erleben viele bei einem vorbeihuschenden Schatten oder auch Menschen, die sich uns nähern, ein Unwohlsein. Eine Angst.

Auch wenn Vertrauen wissenschaftlich schwer nachweisbar ist, steht fest, dass es in jedem Menschen angelegt ist und durch die Erfahrung von zuverlässiger, materieller und emotionaler Fürsorge der versorgenden Personen genährt wird.

 

Und was ist mit dem Misstrauen?

„Misstrauen lässt uns wach und aufmerksam sein, realistisches Vertrauen schaffen, Beziehungen realistisch gestalten und auch zu beenden“, schreibt der Transaktionsanalytiker Dr. Johann Schneider[2], „wenn Menschen ihr Misstrauen nicht überprüfen, sind sie wie in einem ‚Nebel‘, „in übertriebenes misstrauisches Verhalten, übertriebene Beziehungsphantasien bis hin zu paranoidem Verhalten mit Beziehungswahn, Verfolgungswahn“ oder in das Gegenteil: Sie zeigen ein naives Verhalten in Form von Vertrauensseligkeit.

Vertrauen ist eine Lebenshaltung. Wenn wir uns bewusst entscheiden und gesundes Misstrauen zulassen, können wir zu einer passenden Einschätzung von Realitäten kommen. Das gibt uns ein sicheres Lebensgefühl. Wir können gemeinsam Ideen finden und gemeinsam etwas verändern. Mit Misstrauen werden wir keine Lösung finden. „Eigene Schatten werden auf andere übertragen“, schreibt die Psychotherapeutin Dr. Verena Kast[3]. Als Beispiel führt sie an: Wer gerne lügt, bezeichnet andere als Lügner. Dieses gute Beispiel haben wir gerade in 2020 in der Politik oft beobachten können. Es ist der Boden für Verschwörungstheorien. Starkes Misstrauen macht einfach keine Lust auf Veränderung.

 

Vertrauen lernen:

Lernen Sie Ihr gesundes Misstrauen zu überprüfen und lassen Sie Ihre Vertrauensfähigkeit zu.

Abb. angelehnt an J.Schneider.

1. Sprechen Sie miteinander

Nichts schafft und erhält Vertrauen so sehr, wie regelmäßig und offen miteinander zu reden. Nur so erfahren Sie, wie Ihr Gegenüber denkt und handelt. Gleichzeitig haben Sie die Möglichkeit, sich zu zeigen

2. Seien Sie ehrlich

Nicht immer darf man alles sagen. Führungskräfte wissen um Betriebsgeheimnisse, die nicht alle Mitarbeiter*innen wissen müssen. Doch lügen ist eine schlechte Alternative. Sagen Sie ganz ehrlich: „Darüber kann ich im Moment (noch) nicht sprechen.“

3. Seien Sie authentisch

Das Grundprinzip der Authentizität ist: Sagen Sie, was sie meinen oder glauben und fühlen Sie, was Sie sagen. Aber bitte nicht übertreiben: Ungefiltertes Ausplaudern ist selten die richtige Lösung. Beachten Sie Takt und Timing, um miteinander zu sprechen.

4. Lassen Sie sich Zeit

„Vertrauen kommt zu Fuß und geht zu Pferd“, besagt ein niederländisches Sprichwort. Es baut sich langsam auf, und einen Beweis zu geben für ein gesundes Vertrauen schadet nicht.

  • Seien Sie offen für Vorschläge von anderen.
  • Lassen Sie mit sich verhandeln.
  • Zeigen Sie Interesse.
  • Kultivieren Sie eine angstfreie Kultur in Gesprächen.
  • Geben Sie Wissen und Kontakte weiter.
  • Leben Sie eine Kritikkultur, die Ideen jeder Art in Lernprozesse transformiert.
  • Der wichtigste Punkt: Versprechen geben – und halten.

Vertrauen ist der Kitt für das soziale Miteinander. Es führt Menschen zusammen und ermöglicht Einzelnen, stärker zu sein. Es gibt ein gutes Lebensgefühl und eröffnet Möglichkeiten, kreativ mit Herausforderungen und Schwierigkeiten umzugehen. Ein frischer Start – ein neues Vertrauen.


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Literatur:

[1] https://www.geo.de/magazine/geo-wissen/16301-rtkl-psychologie-vertrauen-das-verbindende-gefuehl, Zugriff 30.12.2020, 11.00 Uhr

[2] Schneider, Johann (2016), Abstraktion und Kreativität, Berlin, S.111-112.

[3] Kast, Verena (2016), Der Schatten in uns, Eschbach, S. 78.

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