Bandura: Lernen am Modell

Lernen am Modell oder Nachahmungslernen hat sich in der Verhaltensforschung als soziales Lernen etabliert. Diese Theorie geht auf den kanadischen Psychologen Albert Bandura zurück.

Darunter versteht man Lernvorgänge, die auf der Beobachtung des Verhaltens menschlicher Vorbilder beruhen. Die persönliche Anwesenheit dieser Vorbilder (Modelle) ist dabei von untergeordneter Bedeutung.[1]

Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach.                                                                                                              Karl Valentin

Bis in die 1950er-Jahre war man davon ausgegangen, dass Kinder ausschließlich durch Konditionierung lernen. Kinder würden dadurch bestärkt, etwas zu tun, indem sie dazu aufgefordert würden, dachte man. Fehlverhalten wurde bestraft, damit das Kind lerne, dieses Verhalten nicht zu wiederholen. Belohnung gab es, wenn es etwas richtig gemacht hatte. Wer einen Säugling beobachtet, sieht, dass er andere imitieren und Gesten nachahmen kann: Sie strecken die Zunge raus, wenn Erwachsene es tun, sie lächeln zurück, wenn Erwachsenen lächeln. Instinktiv. Ohne Belohnung. Ohne Bestrafung.

Auch Erwachsene lernen dadurch, dass sie die Verhaltensweisen anderer wahrnehmen, beobachten oder nachahmen. Der Vorteil am Modelllernen ist, dass komplexe Tätigkeiten – wie in manchen Berufen erforderlich – die sich aus einer Vielzahl von Einzelschritten zusammensetzen, sich leichter und fixer angeeignet werden können, als wenn sie einzeln gelernt werden müssten.

Bobo-Doll-Experiment zum „Lernen am Modell“:

Bekannt wurde Albert Bandura und sein Konzept vom „Lernen am Modell“ unter anderem durch das Bobo-Doll-Experiment: Er spielte Kindern im Alter von vier bis fünf Jahren einen Kurzfilm vor. Darin ist ein Erwachsener zu sehen, der eine Plastikpuppe verhaut, zu Boden wirft, beschimpft und sich insgesamt ziemlich aggressiv verhält.

Der Film hat drei Endungen – jedem Kind wurde jeweils nur eine Version vorgespielt:

  • In Version 1 wird der Rowdy von einer weiteren Person für sein Verhalten gelobt und mit Naschereien belohnt.
  • In Fassung 2 weist die zweite Person den Grobian zurecht und droht ihm seinerseits eine Bestrafung an.
  • In Fassung 3 bleibt das aggressive Verhalten ohne Konsequenzen, die weitere Person taucht hier erst gar nicht auf.

Sie ahnen, was folgt: Die Kinder durften nun selbst mit der Plastikpuppe Bobo „spielen“. Die Kinder, die das Video mit der ersten Endung gesehen hatten, waren der Puppe gegenüber noch viel aggressiver. Sie hauten, traten, schlugen und beschimpften das Versuchsobjekt.

Aber: Sobald der Leiter des Versuchs den anderen Kindern (die eine andere Fassung gesehen hatten) auch eine Belohnung versprach, ahmten sie das Verhalten gleichermaßen nach. Sie prügelten ohne Unterlass auf Bobo ein. Jetzt waren alle Kinder gleichermaßen aggressiv.

Schlussfolgerung:

Sämtliche Kinder hatten das Verhalten durch schlichte Beobachtung erlernt, so die Schlussfolgerung von Bandura. Ob sie das erlernte Verhalten dann auch nachahmten, hing wiederum von anderen Faktoren ab, von Belohnungen oder Bestrafungen etwa.

Wie läuft der Lernvorgang ab?

Der Lernvorgang beim Lernen am Modell nach Bandura läuft in zwei Phasen ab:

Verhaltensaneignung:
Das Verhalten des Modells wird genau beobachtet und gedanklich nachvollzogen.
Verhaltensausführung:
Das beobachtete Verhalten wird selbst ausgeführt, wenn die jeweilige Situation es erfordert oder ermöglicht.

Tipps:

Wir wissen zwar, dass wir aus eigenen Fehlern klug werden. Aber den einen oder anderen Fehler dürfen wir auch gerne vermeiden. Beobachtungen helfen dabei. Vor diesem Hintergrund bieten sich diverse Möglichkeiten für Ihren Arbeitsalltag:

  • Sie wollen sich beruflich neu orientieren? Was haben andere gemacht, als Sie eine neue Karriere begannen? Wie waren deren Wege?
  • Sie wollen sich als Trainer/in oder Berater/in selbstständigmachen? Wie haben es andere gemacht? Was waren deren Fehler? Wie lange haben sie gebraucht?
  • Haben Sie die Möglichkeit ein Praktikum zu machen? Das Prinzip eines Praktikums basiert unter anderem darauf, durch Beobachtung und Learning by Doing einen Lernprozess in Gang zu setzen.
  • Reden, Präsentation, Referate sollten Sie sich auf Konferenzen oder in der Uni ganz genau anhören und -schauen. Wer macht es denn aus Ihrer Sicht überzeugend und weniger überzeugend. Was passt zu Ihrem eigenen Stil? Lerneffekt: groß.
  • Vorbilder: Suchen Sie sich Vorbilder! Wie gelingt denen, was sie gerne tun würden?

Übrigens: Gehen Sie mutig voran und probieren etwas Neues aus. Sofern Sie das gut machen, werden sie auch von anderen kopiert. Mal beobachten!

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[1] Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialkognitive_Lerntheorie (2018-07-18).

 

 

 

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