Acht erprobte Schritte um Beziehung aufzubauen

Die Psychotherapeuten Richard Erskine und Rebecca Trautman haben einen Überblick aus ihrer Arbeit zusammen gestellt, und beleuchten, welche Beziehungsbedürfnisse zwischen Menschen existieren.

Beziehung ist ein alltäglicher Begriff: Wir leben in Beziehungen, wir haben Beziehung: Liebesbeziehung, familiäre Beziehungen, geschäftliche Beziehung. Immer wenn Menschen etwas miteinander zu tun haben, treten sie in Beziehung. Dies ist ein alltäglicher Befund. Daher ist es erforderlich, eine Vorstellung davon zu entwickeln, was Menschen in Beziehungen für Bedürfnisse haben.

Erskine betont dabei, dass Beziehungsbedürfnisse nicht in der Kindheit entwickelt werden und dann im Laufe des Lebens verschwinden. Sie sind aktuelle Bestandteile von Beziehung, die an jedem Tag unseres Lebens gegenwärtig sind: am Arbeitsplatz, im Coaching, in der Paarbeziehung, in der Schule etc.

 

1. Beziehungsbedürfnis nach Sicherheit:

Ich weiß, woran ich bin.

Bei diesem Bedürfnis geht es um die Erfahrung, in der Beziehung in seiner körperlichen und emotionalen Verletzlichkeit sicher aufgehoben zu sein; das Gefühl sich zeigen zu dürfen ohne den Respekt, die Zuneigung der anderen Person zu verlieren. „Sicherheit ist die Wahrnehmung, gleichzeitig verletzlich und in Harmonie mit dem anderen zu sein.“ (Erskine 2002). Klienten beschreiben das Bedürfnis nach Sicherheit als „vollkommene Annahme und Schutz“ als „Ich bin o.k. in dieser Beziehung.“ (Erskine 2008)

2. Beziehungsbedürfnis nach Wertschätzung:

Ich erhalte die Wertschätzung, dass meine Bedürfnisse legitim sind.

Die Bedeutung, die die eigenen Emotionen und Fantasien haben und nicht zuletzt die Realität, so wie jeder sie für sich wahrnimmt sollen bestätigt werden. Die Einstimmung auf das Bedürfnis des anderen nach Wertschätzung wird auch durch „Präsenz im Kontakt“ erreicht. (Erskine 2008)

3. Beziehungsbedürfnis angenommen zu sein:

Ich bekomme Orientierung und fühle mich geschützt.

Von jemanden angenommen zu sein, der zuverlässig ist, Schutz bietet und Orientierung gibt, gehört zu grundlegenden Beziehungsbedürfnissen. Ein Bedürfnis nach Führung mag sich auch in einer Idealisierung des anderen zeigen. Eine unbewusste Anfrage nach Schutz, dass jemand Sorge trägt, der größer, stärker und weiser ist, als man selbst. Das kann zu einer Idealisierung führen, die oft ein Echo der Idealisierung der eigenen Eltern, wie Kinder sie erfahren müssen: „Alle Kinder brauchen Elternfiguren, die freundlich und stark und liebend und weise sind.“ (Erskine, 2002).

4. Beziehungsbedürfnis nach Bestätigung:

Der andere glaubt mir.

Hier geht es um persönliche Erfahrungen, die geteilt werden können. Der andere hat vielleicht ähnliches erlebt und möchte mit jemanden zusammen sein, der ähnlich ist, der versteht und das eigene Erlebte bestätigt wird. Eine Erfahrung von „denselben Weg im Leben gehen“ (Erskine, 2002). Jemand ist so wie ich.

5. Beziehungsbedürfnis nach Einzigartigkeit:

 Ich erkenne meine Einzigartigkeit.

Das Bedürfnis nach Einzigartigkeit oder Selbst-Definition – wie Erskine es beschreibt – ist das Bedürfnis, seine Einmaligkeit zu erleben und auszudrücken und von anderen hierin wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Auch wenn der anderen nicht zustimmt, bleibt er trotzdem in Kontakt. Fehlt die befriedigende Akzeptanz, kann es zum Konflikt kommen. Streit und Konkurrenz in Beziehung kann Ausdruck für das Bedürfnis nach „Selbst-Definition“ sein. Der Streit hat dann das eigentliche Ziel, Akzeptanz vom Gegenüber zu erfahren. Das Bedürfnis nach Einzigartigkeit und Selbstausdruck muss in jeder gesunden Beziehung befriedigt werden! Unterschiede ermöglichen Kontakt. Ohne Gegensätze gibt es kein Zusammenkommen – wie Erskine ausführt und dazu Perls zitiert – , sondern nur eine schlüpfrige grenzenlose Masse an Ähnlichkeiten. (nach Kohlhaas-Reith)

6. Beziehungsbedürfnis: Einfluss auf den Anderen

Ich kann beim anderen Veränderung bewirken.

Das Bedürfnis, eigene Fähigkeiten und Kompetenzen einsetzen zu können und damit Einfluss auf andere zu haben. Etwas bewirken wollen. Dazu gehörte auch der Wunsch eine emotionale Reaktion beim anderen auszulösen. Es geht darum, dass Berater*innen sich erlauben „sich vom Klienten berühren zu lassen und mitfühlend zu reagieren, wenn der Klient traurig ist, ihm ein Gefühl von Sicherheit zu geben, wenn er Angst hat, ihn ernst zu nehmen, wenn er wütend ist und sich mit ihm zu freuen, wenn er sich freut.“ (Erskine 2008) Gegebenenfalls auch bedeuten, dass der andere einräumt, etwas falsch gesehen oder gemacht zu haben und dies zu bedauern.

7. Beziehungsbedürfnis: Andere ergreifen Initiative

 Ich muss nicht alles alleine machen.

Wenn der andere auch die Initiative ergreift und auf mich zu kommt, signalisiert er die Bedeutung und die Wertschätzung die er mir entgegenbringt.

8. Beziehungsbedürfnis: Liebe ausdrücken

 Ich drücke meine Wertschätzung und Fürsorge aus.

Dieses Bedürfnis, Liebe zu geben, wird oft durch Fürsorge, Dankbarkeit, Wertschätzung, etwas für den anderen Tun ausgedrückt; es ist in jeder gesunden Beziehung gegenwärtig.

 

Nun könnte man annehmen, dass es noch weitere Beziehungsbedürfnisse gibt z.B. nach „Liebe empfangen“ . Aber ist das nötig, wenn alle diese wunderbaren Bedürfnisse sensibel beachtet werden und erfüllt sind?

 

Literatur:

Erskine, Richard G. (2002). Relational Needs, EATA Newsletter Nr. 73 (deutsch: Beziehungsbedürfnisse, ZTA 2008, Heft 4, S. 287 -297)

www.ta-kohlhaas-reith.de/dokumente/Leben_in_Beziehungen.pdf, Zugriff: 30.07.2019

https://www.dgta.de/uploads/tx_rldgtauser/0a0592eed28ca66219ecff847d2a3afe_Beziehungsbeduerfnisse_-_Richard_G._Erskine_-_Werkstatt.pdf/  

Zugriff: 21.07.2019

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